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32. Jahrgang                      Nr. 127                       Juni 2006




Editorial

Liebe Leserinnen und Leser, in dieser Ausgabe haben wir einige Beiträge zu dem immer aktuellen Thema „Pädagogik in Ravensbrück“ zusammen gestellt. Denn die Frage, wie nachfolgenden Generationen die Erinnerung an Ravensbrück vermittelt werden kann, wird uns wohl immer wieder neu beschäftigen (müssen). Den ursprünglich geplanten Länder-Schwerpunkt „Tschechien“ mussten wir leider aus verschiedenen Gründen verschieben. Das beeindruckende Portrait von Riva Krieglová, wofür wir Linde Apel herzlich danken, möchten wir Euch dennoch nicht vorenthalten - und den angekündigten Themen-Schwerpunkt holen wir selbstverständlich nach. Wir danken allen, die zu dieser Ausgabe beigetragen haben. Und wie immer weisen wir darauf hin, dass namentlich gekennzeichnete Beiträge nicht unbedingt der Meinung des LGRF-Vorstandes und des Redaktionsteams entsprechen.

Euer rb-Team









„Gegen das Vergessen, gegen das Verdrängen und gegen das Leugnen“
Feierlichkeiten zum 61. Jahrestag der Befreiung 22. – 23. April


Mit diesen Worten unterstrich Irma Trksak ihre Rede anlässlich des Jahrestages der Befreiung. Und aus diesem Grund waren auch am 61. Jahrestag wieder viele Besucher und Besucherinnen nach Ravensbrück gekommen. Gemeinsam mit Überlebenden aus mehr als acht Ländern erlebten sie bewegende Veranstaltungen. Die Feierlichkeiten zum Jahrestag der Befreiung wurden zusammen von der Lagergemeinschaft Ravensbrück Freundeskreis und der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück organisiert - zum ersten mal mit der neuen Leiterin Insa Eschebach. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen rund um den Jahrestag der Befreiung standen die Erinnerung an die Befreiung, sowie der offensichtliche aktuelle Rechtsextremismus.

Filmvorführung

In Würdigung der Sintezza Melanie Spitta zeigte die LGRF am Samstagnachmittag zwei Filme. Einführend zeichnete Gabriele Heuckmann ein schillerndes Bild dieser starken und beeindruckenden Frau. Sie brachte den Zuhörenden die Sintezza, Menschenrechtlerin, Filmemacherin und Freundin Melanie Spitta nah. Nach einer kurzen Begrüßung der Produzentin und Filmemacherin Katrin Seybold wurden die beiden Filme „Das falsche Wort“ und „Schimpft uns nicht Zigeuner“ gezeigt. „Das falsche Wort“ zeichnet eindrucksvoll und eindringlich die 1936 beginnende Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus nach: Von den sogenannten Sammellagern bis zum organisierten Völkermord, von der Kontinuität der Diskriminierung bis zur Nichtanerkennung des Verbrechens und der Verweigerung der „Wiedergutmachung“ seitens der Täter und ihrer Nachkommen. Der Kontinuität der Diskriminierung ist auch „Schimpft uns nicht Zigeuner“ gewidmet. Ein Sinto und eine Sintezza, beide jugendlich, schildern die von ihnen erlebte Ausgrenzung und die Unmöglichkeit eines einfachen Lebensweges innerhalb der deutschen Mehrheitsgesellschaft.

Übergabe tastbarer Modelle

Von einem Kunst-Leistungskurs des Strittmatter Gymnasiums Gransee sind schon zuvor einige tastbare Hinweise auf Bauten auf dem ehemaligen Lagergelände aus Ton gestaltet worden. Am Samstag vor dem Tag der Befreiung wurde nun ein maßstabsgerechtes Modell einer Häftlingsbaracke aus Holz an die Gedenkstätte übergeben. Entstanden war es im Projekt „Neustart“ des ev. Johannesstift Berlin. Unter architektonischer Anleitung wurde das Modell gebaut, dessen Dach sich abnehmen lässt. Zusätzlich wurde es mit Erklärungen in Braille-Schrift versehen. Damit ist zumindest ein Modell einer Häftlingsbaracke in der MGR zu sehen und unterstützt damit die nach wie vor bestehende Forderung der Häftlinge nach dem Aufbau einer ehemaligen Originalbaracke auf dem Lagergelände. Außerdem plant das Neue Friedländer Gymnasium für die Zukunft tastbare Pläne herzustellen, mit denen sich Nicht-Sehende über das Lager bewegen können. Ein großer Schritt hin zu dem Ziel, das Gelände der Mahn- und Gedenkstätte barrierefrei zu gestalten und die Infrastruktur des ehemaligen Lagers tastbar zu machen!

Ausstellungseröffnung „Rosen in Ravensbrück“

Die Ausstellung umfasst zehn großformatige Abzüge von Handyfotos. Die Fotografin Ursula Kelm, Jahrgang 1942, berichtete, wie sie im Oktober 2004 an einem schönen Herbsttag die MGR besuchte. Sie beschrieb ihr schlechtes Gewissen, während sie Licht und Farben genoss. Eher zufällig geriet ihr das Handy in die Hand und sie fing an, damit Bilder zu machen. In der Vergrößerung der grobkörnigen Bilder mit ihren verfremdeten Farben fand sie ihre Gefühle der Berührtheit und doch auch Leichtigkeit wieder. Tatsächlich sind diese Bilder auf eigenartige Weise sehr berührend und fordern auf, bekannte Motive neu zu betrachten.

Jahrestag der Befreiung

Am Sonntagmorgen erinnerte Nadja Kalnitzkaja beim Gedenken am sowjetischen Ehrenmahl in Fürstenberg, das von der LGRF jährlich organisiert wird, an die Befreiung durch die Rote Armee. Zur Feier des Tages der Befreiung fanden sich danach bei kühlen Temperaturen rund 450 Menschen in der Gedenkstätte ein. Unter den Teilnehmenden waren auch rund 30 Überlebende aus Polen, der Ukraine, Russland, der Tschechischen Republik, Österreich, Frankreich, Deutschland und anderen Ländern. Begleitet von Friedemann Graef auf dem Saxophon sangen die Teilnehmenden gemeinsam das Lied „Die Gedanken sind frei“. Zum Totengedenken wurde Kaddish gesprochen und Wanda Poltovska sprach das Ravensbrücker Vaterunser. Die Vizepräsidentin des Internationalen Ravensbrück Komitees, Irma Trksak aus Wien, erinnerte an das Leid der Häftlinge im Konzentrationslager Ravensbrück: „Tausende Frauen aus ganz Europa haben nicht überlebt. Die Nazis raubten ihnen die Jugend, die Lebenskraft, die Gesundheit und die Hoffnung auf ein Leben in Freiheit. Das Leben von unzähligen Frauen wurde auf grausame Art in einer provisorischen Gaskammer ausgelöscht“, sagte sie. Sie fügte hinzu: „Vor mir die Walze und die Verbrennungsöfen, weiter ein Teil der Lagermauer, links von mir der Zellenbau, hinter mir der Erschießungsgang. Das sind die letzten stummen Zeugen der Ereignisse, die hier geschehen sind. Zeugen einer Zeit endloser Torturen, Brutalität und allmählicher Ausrottung von Menschen durch das nazistische System.“ Irma Trksak dankte den jungen Menschen, denen die Überlebenden ihre Erlebnisse in diesem Lager „wieder und wieder anvertrauen, damit sie sie aufbewahren und weitertragen, damit den Lebensgeschichten Geltung und Anerkennung gezollt und allen Verharmlosungen entschieden entgegengetreten wird“. Sie versprach, dass die Überlebenden, so lange es ihnen möglich ist, „die Erinnerungen an die Zeit ohne Gnade wach halten und gegen das Vergessen, gegen das Verdrängen und gegen das Leugnen des Unfassbaren, des Unvorstellbaren kämpfen“ werden. Die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Johanna Wanka (CDU), ging auf den rassistischen Überfall auf einen schwarzen Deutschen am Ostermontag in Potsdam ein. Mittel im Kampf gegen rechtsextreme Umtriebe könne „nur die offensive Auseinandersetzung sein“, unterstrich Wanka. Für dieses Anliegen seien die authentischen Orte wie Ravensbrück „entscheidend“. Denn ohne authentische Orte sei die Erinnerung an den Naziterror ohne Zukunft. Es sei unverzichtbar, „Geschichte dort zu vermitteln, wo sie stattgefunden hat“, erläuterte Wanka. Sie sagte zu, die Landesregierung werde in Zusammenarbeit mit dem Bund die finanziellen Mittel bereitstellen, damit Orte wie Ravensbrück „als historische Lernorte erhalten bleiben“. Am Tag der Befreiung müssten die heutigen Generationen ihr Versprechen wiederholen, forderte Wanka. Dieses laute: „Wir werden die Opfer nicht vergessen.“ Die neue Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Insa Eschebach, lenkte den Blick auf die Befreiung des Konzentrationslagers vor 61 Jahren. Die Befreiung habe „viele Gesichter“ gehabt und sei ein Prozess gewesen, sagte sie. Bereits im Laufe des Monats April seien 7.500 Frauen durch das Dänische, das Schwedische und das Internationale Rote Kreuz evakuiert worden. Etwa 12.000 Häftling habe die SS in nordwestliche Richtung getrieben, viele von ihnen ermordet. Knapp 3.000 Häftlinge seien in Ravensbrück zurückgeblieben, viele von ihnen seien in den folgenden Monaten an Typhus, TBC oder den Folgen schlechter Ernährung gestorben. Der Jahrestag der Befreiung biete die Möglichkeit, sich an die vielschichtigen Erfahrungen der Überlebenden zu erinnern und der Toten zu gedenken, betonte Eschebach. Der Bürgermeister von Fürstenberg, Robert Philipp, sagte zu, dass seine Stadt besonders die Bemühungen der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Ravensbrück unterstützen wolle, auch und gerade Kinder und Jugendliche der Region mit der Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers vertraut zu machen. Die Regisseurin Helma Sanders-Brahms bat, statt die von ihr vorbereitete Rede zu halten, die Überlebenden um Verzeihung. „Bitte verzeihen Sie auch unseren Eltern und Großeltern, damit wir als deutsches Volk leben können“, sagte sie. Bei den Gästen überwog das fassungslose Kopfschütteln den höflichen Beifall.
Kranzniederlegung an der Lagermauer
Kranzniederlegung an der Lagermauer


Gedenken am Standort des Zeltes

Nach der zentralen Gedenkfeier am ehemaligen Zellenbau veranstaltete die LGRF am Standort des Zeltes eine Gedenkfeier für die Sinti- und Roma-Frauen und ihre Kinder. Fritz Schwark, der stellvertretende Vorsitzende der LGRF, erinnerte an die unbeschreiblichen Bedingungen in diesem Zelt, denen Hunderte Sinti- und Roma-Frauen und ihre Kinder nach ihrer Deportation aus Auschwitz ausgesetzt waren, und die nur wenige überlebten.

Petra Rosenberg, die Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin – Brandenburg e. V., beschrieb, wie die Erinnerung an die Qualen, die sich in diesem Zelt zugetragen haben, sie bis heute berühren. Jede Sinti- und Roma-Familie habe Familienmitglieder durch die rassistische Verfolgung durch die Nazis verloren und trage schwer an diesem Schicksal. Aus der Autobiografie ihres Vaters, Otto Rosenberg, der selbst Auschwitz-Überlebender war, zitierte Frau Rosenberg Erinnerungen, die die Haftzeit ihrer Großmutter in Ravensbrück beschrieben. Ein „Zeichen überfälliger historischer Gerechtigkeit“ sei für die deutschen Sinti und Roma nach wie vor die Realisierung des Denkmals für die ermordeten Sinti und Roma in Berlin.
Petra Rosenberg
Petra Rosenberg
In Bezug auf die Zunahme von Rechtsextremismus in den letzten Jahren und Gewalttaten gegen Angehörige von Minderheiten und gesellschaftlichen Randgruppen betonte Frau Rosenberg, dass „vieles hätte verhindert werden können, wenn die gewählten Vertreter unseres Landes rechtzeitig ein deutliches Zeichen gesetzt hätten“. Verbale Beteuerungen alleine reichten nicht aus. Freiheit, die nur für eine gesellschaftliche Mehrheit gelte, und nicht die hier lebenden Minderheiten einschließe, stelle nicht die Form von Freiheit dar, die sie anstrebe. Das Duo Romenca mit Oana Kitzu (Gesang) und Dejan Jovanovic (Akkordeon) beschloss die Gedenkfeier berührend und würdevoll.

Zum Abschluss der Feierlichkeiten enthüllten Überlebende aus Belorussland eine Gedenktafel an der Lagermauer des ehemaligen Zellenbaus mit der Inschrift „Zum Gedenken an die Häftlinge aus Belarus, von denen Hunderte im KZ Ravensbrück zu Tode gequält wurden 1941–45. Präsident der Republik Belarus 2006“

Lotta Gothe, Monika Pilath, Gerhild Vollherbst, Silke Hinder

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Mit Jugendlichen in Ravensbrück

Drei 14jährige Jungs krempeln sich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt die Hosen bis über die Knie hoch. Währenddessen sagt einer zu den anderen: „Echt krass kalt und die Frauen mussten hier Sommerkleider anziehen!“ Mit den aufgekrempelten Hosen verbringen sie den gesamten Tag des Gedenkstättenbesuchs in Ravensbrück. Vielleicht ein etwas merkwürdiger Anblick, aber die drei waren ernsthaft damit beschäftigt, einen Zugang zu dem Leid in Ravensbrück zu finden, von dem sie an diesem Tag sehr viel hören. Einen eigenen Zugang zu suchen und zu finden, kann man nicht vorgeben, man kann Offenheit dafür zeigen, aber es passiert oder es passiert nicht.

Seit sechs Jahren fahre ich regelmäßig mit Gruppen von Jugendlichen nach Ravensbrück. Meistens ist es eine Gruppe von 20 Personen im Alter von 14 – 15 Jahren. Die meisten von ihnen waren vorher noch nie in einer Gedenkstätte, die meisten haben keinen Migrationshintergrund.

Für alle Beteiligten sind diese Fahrten immer wieder eine Herausforderung. Denn sie finden in einem mehrfachen – auch emotionalen – Dilemma statt. Neben der Vermittlung von Wissen über das Terrorssystem des Nationalsozialismus geht es auch darum, einen emotionalen Zugang zu vermitteln. Gleichzeitig steht die Grenze dieser emotionalen Vermittelbarkeit deutlich vor Augen: Bei allem guten Willen erscheint es unmöglich, sich auch nur annähernd in das Leid hineinversetzen zu können, dem die Frauen, Kinder und Männer während des Nationalsozialismus in den Lagern ausgesetzt waren. Gleichzeitig sehen sich die Jugendlichen auch in einem Dilemma: Sie vermuten, dass sie Betroffenheit zeigen sollen, erwarten auch, diese zu erleben und setzen sich nicht selten unter Druck, sie dann auch wirklich zu empfinden. Andererseits wehren sie sich gegen diese Erwartung und stellen gleichzeitig fest, dass sie die Schicksale der Frauen in Ravensbrück tief berühren. Irgendwo dazwischen finden sie dann ihren eigenen Weg.

Bei der Vorbereitung auf die Fahrt kommen immer wieder Bedenken, dass die Fahrt langweilig werden könne, weil man ja doch schon alles wisse. Je mehr in den Medien aktuell über den „Schlussstrich“ debattiert wird, um so stärker wird dieser Reflex der Jugendlichen. Auch wenn er bei mir innerlich gelegentlich Empörung hervorruft, stelle ich fest, dass er sich spätestens im Laufe des Gedenkstättenbesuchs völlig verflüchtigt.

Intensivster Anknüpfungspunkt bei einem Gedenkstättenbesuch sind immer die Überlebenden: Ihre Zeugnisse, ihre Berichte sind das Herzstück jeden Gangs über die Gedenkstätte. Letztlich können ja nur sie etwas von den Verbrechen erzählen, die sie auszuhalten hatten. Texte von Überlebenden lassen auch für die Jugendlichen den Ort sprechender werden. Unentbehrlich ist darum für meine Arbeit das Buch „Mit den Augen der Überlebenden“ geworden. Nicht immer ist es möglich, eine Begegnung mit Überlebenden von Ravensbrück zu organisieren. In diesen Begegnungen bin ich oft berührt von dem Respekt und dem Bewusstsein der Jugendlichen, dass das Gespräch mit den Überlebenden eine besondere Chance für sie darstellt. Dies liegt nicht zuletzt an den Überlebenden selbst. Sie sind die Expertinnen: nicht nur der Ereignisse, über die sie erzählen, sondern auch in der ganz eigenen, besonderen Art, wie es ihnen gelingt, die Jugendlichen anzusprechen.

Neben dem Besuch des Lagergeländes ist der Zellenbau für jeden Besuch in der Gedenkstätte ein unentbehrlicher Ort. Das Erstaunliche ist für mich, dass die Jugendlichen sich dort viel Zeit nehmen und sich auf eine beeindruckende Suche begeben: Welches Gedenken stellt eine Form dar, die der eigenen einen Ausdruck verleiht. Oder umgekehrt, welche Ausdrucksformen sind ihnen so fremd, dass sie darüber stolpern und ins Gespräch kommen. Für die pädagogische Arbeit stellt der Zellenbau in seiner Vielfalt einen offenen Schatz dar.

Seit es die Jugendbegegnungsstätte gibt, fahren wir mit mindestens einer Übernachtung nach Ravensbrück. Dies bringt die Jungen und Mädchen insbesondere durch den Ort, an dem sie übernachten, zu vielen Fragen und Auseinandersetzungen zur Rolle der Täterinnen, der Aufseherinnen.

Die Fragestellungen, die die Jugendlichen entwickeln, beschäftigen sie noch sehr lange. Auch ein Jahr später, wenn wir mit ihnen einen Rückblick machen, steht ihnen der Besuch in Ravensbrück meistens als wichtigstes Ereignis vor Augen. Nicht selten hören wir auch von den Eltern, wie die Fragen und Gedanken der Jugendlichen in ihren Familien viele Diskussionen ausgelöst haben.

Mit den Elternhäusern stellt sich allerdings auch eine neue – größer werdende Herausforderung ein: In den letzten Jahren nehmen die Gespräche mit Eltern zu, die glauben, dass ihre Söhne und Töchter mit 14 bis 15 Jahren vor dem Leid, über das sie bei einem Gedenkstättenbesuch erfahren, „beschützt“ werden müssten. Leider können auch intensive Gespräche mit den Eltern nichts daran ändern, dass immer wieder Jugendlichen nicht erlaubt wird, an einer solchen Fahrt teilzunehmen. Dies sind nicht selten Jugendliche, die in der Vorbereitung sehr motiviert und interessiert waren, so dass sich mir der Verdacht aufdrängt, dass die elterlichen Sorgen vielmehr ihre eigenen Ängste vor den Fragen der Jugendlichen widerspiegeln, als dass die Jugendlichen selbst dem nicht gewachsen wären.

Für mich selbst sind die Besuche immer wieder neu – auch wenn es mittlerweile eine gewisse Routine gibt. Die pädagogischen Dienste und das dort entwickelte Material sind für uns eine große Unterstützung. Für mich ist besonders erstaunlich, dass sich bei jedem Besuch mit Jugendlichen immer wieder ein Moment ergibt, der mich selbst tief berührt, und dass dieser Punkt im Vorfeld weder planbar noch vorhersehbar ist. Dies bedeutet auch, den Jugendlichen nicht nur die Angst vor ihren Tränen zu nehmen, sondern sie selbst auch gelegentlich zuzulassen – Gruppenleiterin hin oder her!

Silke Hinder

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"Gespräche mit Zeitzeuginnen sind ein großes Geschenk"
Interview mit dem Gedenkstättenlehrer Thomas Eisenhuth


Thomas Eisenhuth, 37 Jahre, ist Lehrer für Geschichte und Deutsch am Gymnasium in Wittstock (Brandenburg) und Gedenkstättenlehrer in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Bereits als Student an der Humboldt-Universität arbeitete er zum Thema Ravensbrück und schrieb 2003 dazu auch seine Staatsexamensarbeit. Darin ging es um Arbeitsbögen für Lehrer, die planen, mit ihrer Klasse eine Exkursion in ein früheres Konzentrationslager, speziell nach Ravensbrück, zu machen. Da lag es nahe, dass er sich im Juni 2005 auf die Stelle des Gedenkstättenlehrers beworben hat. Seit September ist Eisenhuth nun einer von zwölf Gedenkstättenlehrern des Landes Brandenburg. Knapp die Hälfte seiner Unterrichtszeit kann der Pädagoge auf seine Arbeit in Ravensbrück verwenden. Privat engagiert er sich im Aktionsbündnis gegen Rechts in Wittstock. Mit Eisenhuth sprach Monika Pilath am Rande der Feier zum 61. Jahrestag der Befreiung im Haus der Lagergemeinschaft.
 
Was machen Sie als Gedenkstättenlehrer?
 
Eisenhuth: Ich habe in verschiedener Hinsicht eine Vermittlungsrolle. Ich sehe mit dem Blick des Lehrers auf die Gedenkstätte. Ein anderes Ziel ist es, das pädagogische Material zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der MGR weiter zu entwickeln. Ich kann vor allem die Erfahrung einbringen, was in den Schulen machbar ist. Zudem fahre ich in die Schulen, um für die Arbeit der Gedenkstätte zu werben. Eine weitere Aufgabe ist es, Weiterbildungen für Lehrer an Brandenburger Schulen zu organisieren. Das Angebot richtet sich besonders an Lehrer, die eine Gedenkstättenfahrt planen.
 
Welche Bedeutung hat für Sie der Kontakt zu den Überlebenden?
 
Eisenhuth: Die Arbeit mit den Zeitzeugen ist ganz wichtig. Ich arbeite eng mit den Ravensbrückerinnen Charlotte Kroll und Ilse Heinrich zusammen. Meine Aufgabe besteht darin, den Zeitzeuginnen den Weg in die Schulen zu ebnen. Es kann nicht angehen, dass sie an Schulen kommen, wo die Schüler nicht auf den Besuch vorbereitet sind und wo bestimmte Rahmenbedingungen nicht gegeben sind. Ich vermittele den Lehrern, was für ein großes Geschenk es ist, dass Schüler mit Zeitzeugen ins Gespräch kommen können, da es inzwischen nur noch ganz wenige Überlebende gibt, die diese Arbeit überhaupt noch machen können. Umgekehrt müssen die Überlebenden auf die jeweilige Klasse vorbereitet werden – so kann man in einer fünften Klasse nicht alles so erzählen wie in einer dreizehnten.
 
Welche Erfahrungen haben Sie mit der MGR gemacht?
 
Eisenhuth: Zunächst haben die Kolleginnen und Kollegen erst einmal gedacht: Da kommt jemand von außen und will hier mittun. Ich glaube, dass ich einfach einen direkteren Draht zu Lehrerinnen und Lehrern habe, das ist ein Vorteil für die Arbeit der Gedenkstätte. Ich kann sie von Kollege zu Kollege überzeugen, mit ihren Klassen hierher zu kommen, die pädagogischen Angebote wahrzunehmen und länger zu bleiben als nur für einen Zwei-Stunden-Besuch. Ich fahre an die Schulen, stelle die Projekte vor, versuche, die Schülerinnen und Schüler zu einem Besuch der MGR zu bewegen. Im Anschluss an den Besuch fahre ich zur Nachbereitung noch mal in die Schule. Da geht es dann um Fragen wie: Was hat Euch gefallen, wo gab es Probleme usw.
 
Wie oft sind Sie in Ravensbrück?
 
Eisenhuth: Zwei Tage die Woche arbeite ich regelmäßig für die Gedenkstätte. Das heißt aber nicht, dass ich die ganze Zeit in Ravensbrück bin. Ich versuche, immer einen Tag in der Woche an die Schulen zu gehen, und einen Tag bin ich hier.
 
Mit welchem Anliegen gehen Sie in die Schulen?
 
Eisenhuth: Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten setzt auf intensivere Formen der Auseinandersetzung. Hier haben mehrtägige Projekte einen besonderen Stellenwert. Es geht darum, Schulleiter davon zu überzeugen. Das Programm der Gedenkstättenlehrer ist auch entstanden als Mittel zur Entwicklung einer demokratischen Kultur. Heute kann kein Schulleiter in Brandenburg sagen, er habe keinen Rassismus oder Rechtsextremismus unter seinen Schülern.
Im Vorfeld eines Zeitzeugengesprächs gibt es einen regen Briefwechsel bzw. Telefonkontakt zwischen mir und dem Lehrer einer Klasse. Die Zeitzeugengespräche laufen im Rahmen des Zeitzeugenprogramms. Das heißt, die Schulen tragen dafür keine Kosten. Dafür erwarten wir, dass das Gespräch ordentlich vorbereitet, eine gute Arbeits- und Diskussionsatmosphäre geschaffen ist. Meine Aufgabe ist es, ein Bindeglied zwischen den Lehrerkollegen vor Ort und den Zeitzeugen zu sein. Ich versuche außerdem in Ravensbrück, noch mehr die Grundschulklassen anzusprechen.
 
Auf welche Reaktionen stoßen Sie in den Schulen?
 Eisenhuth: Es gibt den klassischen Fall der Anfrage: „Wir kommen in zehn Tagen von 9 bis 11 Uhr und möchten gern ein Zeitzeugengespräch haben.“ Da muss ich einfach sagen, dass das so nicht geht. Meine Antwort ist dann: „Wenn Sie mit einem Zeitzeugen sprechen wollen, müssen Sie eine Tagesexkursion einplanen, die Schüler müssen ein Projekt entwickeln und anständig vorbereitet werden.“ Grundsätzlich sind die Lehrer aber erfreut, wenn ich in die Schulen komme und ihnen zur Seite stehe.
 
Welche Bedeutung hat der Ort Ravensbrück für die pädagogische Arbeit?
 
Eisenhuth: Es gibt einen Ausspruch der früheren Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte, Sigrid Jacobeit: „Wer Ravensbrück einmal kennen gelernt hat, der wird es nie wieder vergessen.“ In diesem Sinne signalisieren wir den Schulen, dass es sinnvoller ist, nach Ravensbrück zu kommen als ein Zeitzeugengespräch im Klassenzimmer zu haben.
 
In 15 Jahren wird es keine Zeitzeugen mehr geben, die Jugendlichen ihre Erfahrungen in Ravensbrück persönlich schildern können. Was bedeutet das für die pädagogische Arbeit?
 
Eisenhuth: Es wird ganz andere Arbeitsformen geben müssen: entdeckendes und forschendes Lernen, das Suchen und Entwickeln eigener Zugänge zum Thema, das Schaffen von Freiräumen für diese unterschiedlichen Zugänge. Zudem haben wir Filme, wir haben Zeitzeugeninterviews. Wahrscheinlich wird der Ort eine noch größere Bedeutung bekommen, und zwar der Ort in Verbindung mit Personen, d. h., dass an bestimmten Stellen Medieninseln sein müssen, wo man hören kann, was Zeitzeugen zu bestimmten Themen zu sagen haben. Wir werden auch andere Formen des Mahnens und Erinnerns finden müssen. Neuntklässlern ist der II. Weltkrieg schon heute so fern wie der Dreißigjährige Krieg. Es wird also verstärkt darum gehen, den Schülern auch emotional nahe zu bringen, welche Bedeutung die Gräueltaten der Nationalsozialisten hatten. Es geht darum, bei den Jugendlichen ein Gespür für die negativen Aspekte von Geschichte zu entwickeln. Auf jeden Fall bedeutet das nahende Ende der Zeitzeugengespräche eine große Herausforderung für die Gedenkstätten, ihre pädagogischen Konzepte weiter zu entwickeln.

Die Gedenkstättenlehrer gibt es nur in Brandenburg. Welche Argumente sprechen dafür, diese in anderen Bundesländern einzuführen?
Eisenhuth: Es ist ein übertragbares Modell. Diese Stellen wurden zunächst in Sachsenhausen zur Unterstützung der Arbeit mit Schülern eingerichtet. Diese Arbeit ist nicht nur als Kampf gegen Rechtsextremismus zu verstehen. Sie ist in einem Rahmen von Demokratie und Menschenrechtsbildung einzuordnen. Das ermöglicht auch Bezüge zu anderen geschichtlichen Epochen herzustellen. Ein Vorteil des Konzepts ist, dass Gedenkstättenlehrer parallel ganz normal in Klassen unterrichten. Lehrer lassen sich in der Regel am besten von Kollegen ansprechen. Hinzu kommt, dass das eine Fachberatertätigkeit ist. Das berechtigt zum Beispiel die Gedenkstättenlehrer, darauf hinzuweisen: Achtung, wenn ihr z.B. den Geschichtsunterricht um eine Stunde zu Gunsten des LER-Unterrichts kürzen wollt, dann wird der Rahmenplan nicht mehr geschafft, in dem der Besuch einer Gedenkstätte vorgesehen ist.
 
Wie gehen Sie mit rechtsextremen Jugendlichen in Ravensbrück um?
Eisenhuth: Nicht selten kommen provozierende Nachfragen. So wird unter anderem die Existenz der Gaskammer in Frage gestellt. Oft kommen mir dann die Klassenlehrer zuvor, indem sie versuchen, Aussagen von Schülern zu entschuldigen nach dem Motto: „Der hat das gar nicht so gemeint.“ Ich versuche, jede Frage ernsthaft zu beantworten. Eine Strategie ist, mit Erlebnissen der Zeitzeugen zu antworten. Oft springen dann auch Mitschüler ein und geben Kontra. Allerdings gibt es auch Diskussionen, die ich nicht erfolgreich für mich abschließen kann - insbesondere, wenn rechtsextreme Jugendliche ideologisch geschult auftreten. Patentrezepte habe ich genauso wenig wie alle anderen.
 
Welche Zukunft hat der Gedenkstättenlehrer in Ravensbrück?
 
Eisenhuth: Meine Stelle ist zunächst auf ein Jahr befristet. Ich würde mir aber sehr wünschen, diese Arbeit länger fortsetzen zu können. Nach meiner Einschätzung braucht man etwa drei Jahre, um einen festen Stamm an Schulen zu gewinnen. Um Schüler, aber auch Lehrer zu überzeugen, braucht es einfach Zeit. Wünschenswert wäre, in Ravensbrück das Konzept mit einem zweiten Gedenkstättenlehrer, der aus der Region kommt und mit den hiesigen Schulen direkt zusammenarbeitet, auszubauen - dies wäre sicher auch im Sinne der Gedenkstätte.

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Gegen das Vergessen – Das Bau- und Begegnungscamp Uckermark 2006

Das Gelände des ehemaligen Mädchenkonzentrationslagers und späteren Vernichtungslagers Uckermark ist weitgehend unbekannt – seine Geschichte vergessen, verdrängt, verleugnet.
Seit einigen Jahren arbeiten TransgenderFrauenLesben im Rahmen von Workcamps und darüber hinaus an der Gestaltung des Geländes als würdigen Gedenkort und mit dem Wunsch, die Geschichte des Ortes bekannter zu machen. Auch in diesem Sommer soll es wieder ein internationales Baucamp zur Uckermark geben. Wir sehen das Camp als Rahmen, um uns theoretisch und praktisch mit der faschistischen deutschen Geschichte und ihren Kontinuitäten auseinanderzusetzen.
Wie in den vergangenen Jahren wollen wir daran arbeiten, die Geschichte des Ortes für BesucherInnen transparent und das Gelände begehbar zu machen. Wir wollen Informationsmaterial erarbeiten, das am Gedenkort zugänglich gemacht werden soll. Besonders wichtig ist uns der Kontakt zu Überlebenden des ehemaligen Mädchenkonzentrations- und Vernichtungslagers Uckermark, aber auch zu Ravensbrück - Überlebenden. An ihre Erlebnisse, ihre Erfahrungen und Lebenswege soll auf dem Gelände erinnert werden. Im letzten Jahr hatten wir das Glück, Ilse Heinrich und Charlotte Kroll treffen zu können – für diese beeindruckende und bereichernde Begegnung möchten wir uns hier noch einmal bedanken!
Neben der Arbeit auf dem Gelände und der Begegnung mit Zeitzeuginnen sind Referentinnen eingeladen, um unsere Auseinandersetzungen mit fundierten Kenntnissen zu bereichern und zu vertiefen. Über mehrere Jahre war der inhaltliche Schwerpunkt der Camps die Beschäftigung mit den als „asozial“ verfolgten Mädchen und Frauen. Ein Großteil der im Mädchenkonzentrationslager Inhaftierten wurde unter diesem Stigma eingeliefert – viele von ihnen blieben auch nach der Befreiung diskriminiert und teilweise entmündigt. In diesem Jahr wollen wir unseren Fokus auf die Geschichte des Vernichtungslagers richten, das in den letzten Kriegsmonaten in einem Teil des Lagers eingerichtet wurde und in dem tausende alter und kranker Frauen aus dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück ermordet worden sind. Es ist unser Wunsch, die Erinnerung an diese Zeit auf dem Gelände sichtbarer zu machen.
Neben der theoretischen und praktischen Arbeit ist das Camp auch ein Ort für persönliche Begegnungen. Ein besonderes Anliegen ist es uns in diesem Jahr, die Teilnahme von TransgenderLesbenFrauen aus Mittel- und Osteuropa zu ermöglichen, da die im Vernichtungslager ermordeten Frauen zum Großteil Jüdinnen und Osteuropäerinnen gewesen sind. Wir sind gespannt auf bereichernde Auseinandersetzungen und Diskussionen, die aus den verschiedenen Perspektiven auf die Geschichte des Ortes entstehen, und möchten hiermit die Gelegenheit nutzen, Interessierte zum diesjährigen Baucamp (21.08.-03.09.06) einzuladen.
Vorbereitet wird das Camp von einer Gruppe von Teilnehmerinnen des letztjährigen Camps und durchgeführt mit Unterstützung der Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis, sowie in Absprache mit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.

Wir freuen uns auf diskussionsreiche, kreative, tatkräftige, nachdenkliche, ... zwei Wochen!

Die Vorbereitungsgruppe für das Baucamp

Direkte Anfragen zum Camp an: uckermarkcamp(at)riseup.net

Weitere Informationen zur Uckermark:
Katja Limbächer, Maike Merten, Bettina Pfefferle: Das Mädchenkonzentrationslager Uckermark, Beiträge zur Geschichte und Gegenwart. Unrast Verlag 2005.
und unter: www.maedchen-kz-uckermark.de


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Medienwirbel wegen Koch-Azubis in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Die Zeit des Nationalsozialismus erscheint heutigen Jugendlichen oft derart “unendlich lange her”, dass sie oft nicht sehen können, inwiefern Erfahrungen von damals Lebenden ihnen Bedeutsames für ihr Leben hier und heute vermitteln können. Daher gibt es unterschiedliche Ansätze der Gedenkstätten-Pädagogik, um “an die aktuellen Lebensrealitäten der Jugendlichen anzuknüpfen”. Doch was könnte das konkret bedeuten?

Im vergangenen Jahr hat eine Einrichtung der außerbetrieblichen Berufsausbildung aus Berlin in Zusammenarbeit mit den Pädagogischen Diensten der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück einen solchen neuen pädagogischen Ansatz entwickelt – und damit großen Wirbel in den Medien verursacht. Ein Artikel auf der ersten Seite der “Berliner Zeitung” vom 25. Februar 2005, der das Projekt auf eine äußerst zweifelhafte Weise in Frage stellte, scheuchte die “Bild”-Zeitung, die Berliner Boulevardzeitung “b.z.” und andere auf. Was dazu führte, dass das damalige Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, ein Fördermittelgeber der Berliner Einrichtung, die Fahrt nach Ravensbrück zwei Tage vor dem Termin untersagt hat. Was die Medien in Aufruhr brachte, war, dass angeblich Koch-Azubis im Rahmen eines Projekttags Rezeptsammlungen, die von Ravensbrückerinnen überliefert sind, in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück nachkochen würden. Ein abstruser Vorwurf mit fatalen Folgen.

Zur Erhellung des Sachverhaltes: Thema des Projekttages war nicht nur die Vermittlung von Grundlagenwissen über den Nationalsozialismus, die Geschichte des KZ Ravensbrück und die einzelnen Häftlingsgruppen. Darüber hinaus standen insbesondere die alltäglichen Lebensbedingungen der Häftlinge, der allgegenwärtige Hunger, die Mangelernährung bei gleichzeitiger Zwangsarbeit im Mittelpunkt.
Koch-Azubis beschäftigen sich Tag für Tag mit Essen, der Zubereitung von Mahlzeiten, Qualität und Quantität von Essen. Die Projekttage folgten also bewährten berufsorientierten Ansätzen in der Gedenkstättenpädagogik, indem sie die Vernichtung durch Hunger im KZ zum Thema machten.

Die Koch-Azubis kamen außerdem gut vorbereitet nach Ravensbrück. An einem Seminartag in Berlin hatten sie mit ihrer Projektleiterin, die selbst seit Jahren Mitglied in der LGRF ist, die wichtigsten Inhalte des bevorstehenden Projekttages bearbeitet.

In Ravensbrück selbst leiteten Mitarbeiterinnen der Pädagogischen Dienste zunächst eine “Selbsterkundung” des Lagergeländes an, bei der die Jugendlichen mit digitalen Kameras Fotos auf dem Lagergelände machten. Diese wurden danach mit den Pädagoginnen besprochen und erklärt.

In kleineren Gruppen haben sich die Koch-Azubis anschließend mit den Lebensbedingungen der Häftlinge beschäftigt: Berichte von Häftlingen über das äußerst knappe und schlechte Essen, Erzählungen über Unterstützung von Häftlingen für einander, indem sie in der Not die knappsten Rationen miteinander teilten, eine Zeichnung von Violette Lecoq, Beschreibungen der offiziellen Rationen für Häftlinge und der Verpflegung in der SS-Kantine, und auch Auszüge von Rezeptsammlungen von Häftlingen, die einige Ravensbrückerinnen mit viel Aufwand erstellten, um dem allgegenwärtigen Hunger auf ganz andere Art zu begegnen.

Den Abschluss des Projekttages bildete der neue Film von Loretta Walz “Die Frauen von Ravensbrück”.

Am darauf folgenden Tag waren die Azubis auf andere Art gefordert: Für einen Tag “übernahmen” sie zusammen mit einem Koch-Ausbilder der Berliner Ausbildungseinrichtung die Küche der Jugendherberge. Jetzt konnten sie den Mitarbeiter/innen der Gedenkstätte und der Jugendherberge ein Dankeschön für ihre Arbeit übermitteln, und konnten zeigen, was sie selbst in ihrem Beruf bereits gelernt hatten. Viel Lob und Applaus erhielten die Koch-Azubis dafür – was ihnen im Zusammenhang mit ihrem Projekttag in der Gedenkstätte sehr gut im Gedächtnis geblieben ist.

Auf Grund der irreführenden Medienberichterstattung wollte das Ministerium zunächst den Geldhahn zudrehen. Dass die Projekttage in der Gedenkstätte im Juni 2005 dennoch stattfinden konnten, drei Monate nach dem ursprünglich geplanten Termin, ist vor allem der uneingeschränkten Unterstützung für das Projekt durch die Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis e.V. und die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten zu verdanken. Die LGRF unterstützte in einem Schreiben an das Ministerium den berufsorientierten pädagogischen Ansatz vorbehaltlos. Daraufhin konnte auch der Minister in den Medien nicht mehr angegriffen werden. Leidtragende waren am Ende die Azubis, denen nur sehr schwer vermittelt werden konnte, warum “ihr” Projekt so zerrissen wurde.
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„Generationenforum“ in der Mahn- und Gedenkstätte

Anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung im vergangenen Jahr wurde von den Pädagogischen Diensten der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück zum ersten Mal das sogenannte Generationenforum durchgeführt, gefördert von der Hildegard-Hansche-Stiftung. 40 Jugendliche hatten die Möglichkeit, vier Tage lang von Überlebenden mehr über ihre Verfolgung und das Leiden in Ravensbrück zu erfahren. Die guten Erfahrungen des letzten Jahres führten zu einem weiteren Generationenforum im April diesen Jahres. Hannah Kühnhold (18) nahm an beiden Foren teil. Das Gespräch führte Silke Hinder.
Jugendliche Generationenforum
Jugendliche Generationenforum

Wie würdest Du das Generationenforum beschreiben?

Hannah: „Als einen Ort der Begegnung von jung und alt, den niemand ohne wichtige Eindrücke verlässt, die sein Leben prägen werden, und die ohne diese Veranstaltung in dieser Form niemals zu Stande gekommen wären.“

Was hat Dich motiviert, daran teilzunehmen?

Hannah: „Die Möglichkeit zu bekommen, sich mit Zeitzeugen unterhalten zu können und durch ihre Erzählungen die Geschehnisse aus erster Hand zu erfahren, hat mich sehr angesprochen. Außerdem hat mich der Zeitpunkt motiviert: zum 60. Jahrestag der Befreiung, zu dem so viele Überlebende anreisen würden. Das was passiert ist, von Menschen, die das alles miterleben mussten, persönlich erzählt zu bekommen, selbst Fragen stellen zu können, ist etwas ganz besonderes. Ich habe mich dann entschieden, erneut daran teilzunehmen, da ich beim zweiten Mal eine zusätzliche Funktion als Teamerin haben sollte.“

Was ist für Dich das Wichtigste an der Veranstaltung?

Hannah: „Die Begegnungen sind für mich das Wichtigste, mit Zeitzeuginnen, die aus verschiedenen Gründen und unter unterschiedlichen Umständen in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert wurden, die des weiteren dazu bereit sind und die Kraft haben, den Jugendlichen von heute ihre oft sehr grausamen Erfahrungen zu berichten.“

Findest Du, dass auch in anderen Gedenkstätten solche Foren eingerichtet werden sollten?

Hannah: „Die Jugendlichen, die bisher teilgenommen haben, sind sicherlich nur ein Bruchteil derer, die auch gerne die Möglichkeit bekommen würden, dies zu erleben.“

Macht es einen Unterschied, ob so ein Forum auf dem Gelände einer Gedenkstätte stattfindet oder könnte es auch an einem anderen Ort stattfinden?

Hannah: „Die Eindrücke die jeder einzelne bei dem Forum vermittelt bekommt, werden durch die Anwesenheit auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers noch verstärkt. Auch, dass man die Orte, an denen sich die Schicksale der Zeitzeugen abgespielt haben, besichtigen kann, macht es wesentlich intensiver als es an irgendeinem anderen Ort wäre.“

Welche Rolle spielen die Überlebenden Deiner Meinung nach?

Hannah: „Die Überlebenden spielen für mich die größte Rolle. Nur durch sie kann man die tiefgehenden Gefühle vermittelt bekommen. Jede einzelne Überlebende unterscheidet sich und ist in ihrer eigenen Art ganz speziell. Alle haben grausame und erstaunlicherweise auch schöne Erfahrungen gemacht. Lisl Jäger zum Beispiel beeindruckt durch ihr minuziöses Erinnerungsvermögen. Batsheva Dagan ist in diesem Jahr mit ihrem Enkel angereist und legt immer viel Wert auf persönliche Nähe. Sie und Agnes Bartha unternahmen nun schon zum zweiten Mal in Folge die weite Reise aus einem anderen Land, um am Forum teilzunehmen und überzeugen durch ihr erstaunlich fittes Auftreten. Das, was die Überlebenden hier präsentieren, ist ein erstaunliches Engagement, und alle Teilnehmer des Forums können sich glücklich schätzen, auf solche außergewöhnlich starke Personen zu treffen.“

In welcher Form könnte so eine Veranstaltung stattfinden, wenn einmal keine der Überlebenden mehr daran teilnehmen kann, um von ihren Erinnerungen zu berichten?

Hannah: „Wenn die Überlebenden einmal nicht mehr da sind, muss das Konzept umgestellt werden, aber meiner Meinung nach sollte auch dies möglich sein. Beispielsweise könnte man nahe Verwandte wie Enkel oder Kinder der Überlebenden einladen, um sie zu befragen, wie sie die Geschichten ihrer Mütter, Väter, Großmütter und Großväter erzählt bekommen haben. Ehemalige Teilnehmer des Forums könnten evtl. aus den umfassenden Materialien der Archive der Konzentrationslager Geschichten herausarbeiten und diese in neuer Form präsentieren.“

Warum, denkst Du, ist es wichtig, dass Jugendliche an so etwas teilnehmen? Sollte es Pflicht für alle Jugendlichen werden?

Hannah: „Es ist sehr wichtig, dass Jugendliche an solchen Veranstaltungen teilnehmen, damit die Erfahrungen der Menschen nicht in Vergessenheit geraten. Niemand sollte jedoch dazu gezwungen werden. Daher finde ich es schön und wichtig, wenn sich möglichst viele junge Menschen für das Thema interessieren und bereit sind, an Generationenforen teilzunehmen.“


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Den Ort „zum Sprechen“ bringen
Pädagogische Annäherungen an die Geschichte des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück


Die Pädagogischen Dienste der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück betreuten 2005 etwa 17.000 meist jugendliche GruppenbesucherInnen, die überwiegend im schulischen Kontext in die Gedenkstätte kamen. Nur bei einer Minderheit kann man von einer Freiwilligkeit des Gedenkstättenbesuches ausgehen. Mehrheitlich nehmen die Klassen meist drei- bis fünfstündige Führungs- und Projektangebote wahr. Unsere Bemühungen, auch unter Trägern außerschulischer Jugendarbeit Partner zu finden, sind in den vergangenen Jahren vorangekommen. Sowohl mit besonders motivierten Schulklassen als auch mit außerschulischen Gruppen entwickeln wir mehrtägige Projektformen, die – etwa über archiv- oder medienpädagogische Arbeitsweisen – neue, aktivere Formen der Aneignung von Geschichte ermöglichen und der Themenvielfalt und Komplexität Rechnung tragen.
Gelegentlich erwarten PädagogInnen, dass die Gedenkstätte als »authentischer Ort« quasi selbstredend etwas über sich mitteilte. Vielen Jugendlichen und Erwachsenen fällt es aber schwer, in dem vielfach überformten Gelände die Spuren der Geschichte zu entdecken. Eine der Aufgaben unserer pädagogischen Arbeit in Führungen, Projekten und in den Ausstellungen ist es daher, den Ort »zum Sprechen« zu bringen. Wir versuchen, mit den Jugendlichen Fragen zu entwickeln. Ihre Fragen nehmen wir beispielsweise in den »Selbstführungen« als Ausgangspunkt – sie erkunden den Ort selbstständig, um dann die GedenkstättenpädagogInnen an die Orte zu führen, zu denen sie Fragen haben. Dabei bewegen sie sich in einem viel größeren Radius, als es bei den meisten »Regelführungen« möglich ist, und entwickeln eigene Fragen, die wir mit ihnen zu beantworten versuchen.
Gruppen, die das Privileg genießen, mit einer Überlebenden zusammenzutreffen, bringen oft zum Ausdruck, dass sie über die persönlichen Berichte und über die persönliche Beziehung, die sich im direkten Gespräch entwickelt, einen ganz anderen Zugang finden. Auch in der pädagogischen Alltagsarbeit spielen die durch die pädagogischen MitarbeiterInnen weitergegebenen Erzählungen der Überlebenden eine wichtige Rolle, wobei wir nur sehr unvollkommene TrägerInnen dieser persönlichen Erfahrungen sein können. Nachgeborene PädagogInnen und HistorikerInnen haben notwendigerweise andere Zugänge zum Ort und seiner Geschichte, als die Überlebenden. Selbst, wenn wir aus den Überlebendenberichten zitieren, haben wir nicht vor Augen, was sie damals vor Augen hatten und heute vor Augen haben, während sie davon erzählen.
In der Gedenkstättenpädagogik wie in der allgemeinen geschichtsdidaktischen Diskussion wird die Notwendigkeit betont, in der biografischen Arbeit mit Quellen Empathie zu wecken; Empathie gilt als motivierendes Element der Auseinandersetzung gerade mit Blick auf die Geschichte der durch den Nationalsozialismus Verfolgten und als ein Schlüssel identifikatorischen Lernens, in dem Jugendliche am Beispiel widerständiger Geschichten eine eigene ablehnende Haltung zu den nationalsozialistischen Verbrechen gewinnen sollen. Manche Jugendlichen sperren sich gegen diese Erwartung. Zuweilen erleben wir etwa in der Reaktion auf den Einführungsfilm »Erinnern an Ravensbrück« von Loretta Walz, in dem Überlebende berichten, wie schwer es manchen Jugendlichen fällt, eine empathische Haltung einzunehmen oder zu gewinnen. Sie haben wenig »Übung« in Empathie – etwa, weil sie selber selten erleben, dass ihnen Empathie entgegen gebracht wird. Im schulischen Unterricht und gerade im Geschichtsunterricht wird Empathie in der Regel als Erkenntniszugang nicht gepflegt – identifikatorische Ansprüche werden oft einzig im Themenfeld Nationalsozialismus formuliert. Manche Jugendliche sperren sich gegen die »soziale Erwünschtheit«. Wenn sie ihr Interesse an der Frage bekunden, wie aus »ganz normalen Männern« (Christopher Browning) oder Frauen TäterInnen wurden, erleben sie manchmal, dass Erwachsene das schon als abwegig wahrnehmen, obwohl dies doch auch eine relevante Frage ist: wie war das denen möglich, so zu werden, das zu tun? Durch die multiperspektivische Beleuchtung von TäterInnen, Widerständigen, vermeintlichen ZuschauerInnen und Wegschauenden werden die Entscheidungs- und Handlungsräume deutlicher, die Auseinandersetzung wird konkreter und letztlich gegenwärtiger.
Eine demütige Herausforderung für die Gedenkstättenpädagogik ist, den historischen Ort nicht ganz als »Lernort« vereinnahmen zu wollen. Die Gedenkstätte ist Gedenkort, historischer Ort von Verbrechen und Widerstand, Demütigung und Aufbegehren, ein Ort historischer Unmenschlichkeit und besonderer Momente der Menschlichkeit, die gerade angesichts der dort begangenen Verbrechen um so kostbarer wirken. Das Bild vom Friedhof, der eine Gedenkstätte auch sei, wirkt verharmlosend, da auf einem Friedhof in der Regel keine Menschen gequält werden – aber es ist eben auch ein Gedächtnisort, der wenigstens an Menschen ohne überlieferte Gräber erinnert. Ein Tatort, der – wie in fast allen Gedenkstätten – erst auf Betreiben der Überlebenden als Gedenkstätte hergerichtet wurde. Ambivalent klingt in meinen Ohren die Bezeichnung »Opferort«, die aber zumindest versucht, die Gedenkstätte vom »Täter-« und Tatort abzusetzen. Die Gedenkstätte soll »mahnen«, das Geschehene vor dem Vergessen bewahren und helfen, in der aktiven Erinnerung und Auseinandersetzung einen Beitrag gegen das Risiko der Wiederholung zu leisten. Zuweilen wird erwartet, dass die Gedenkstättenpädagogik selbst rechten Jugendlichen die Augen öffnete, wenn dies anderen Institutionen wie Familie und Schule nicht gelungen ist. All das sind Anforderungen, die uns manchmal überfordern, mit denen wir uns aber auseinandersetzen müssen.
Bei aller Professionalität, die Gedenkstätten brauchen, um die komplexe Geschichte zu erzählen, die sich dort zugetragen hat, braucht es –Theodor W. Adorno zitierend – die Wärme und Fähigkeit zur Identifikation, zur Empathie, die verhindert, dass hier Geschichte nur verwaltet wird. Wo immer der Eindruck entstünde, ein kaltes »Gedenkstätten-Establishment« bemächtigte sich der Orte und ihrer Geschichte gegen die Ansprüche der Ermordeten und Überlebenden, verlöre das, was dort geschieht, an Berechtigung.
Während meiner Arbeit in Ravensbrück habe ich in den vergangenen vier Jahren viele Begegnungen mit Überlebenden gehabt, die mir auch die mit diesem Ort verbundene Pein näher gebracht haben. Auch wenn ich den oft unaussprechlichen Schmerz der Überlebenden nicht wirklich teilen kann, weil ich nicht erlebt habe, was sie erlebt haben, rührt sie mich an, sie berührt mich. Ein Gefühl, ein Gespür dafür zu entwickeln, gehört für mich – jenseits aller »Betroffenheitspädagogik«, in der man am Ende oft mehr über die eigene Betroffenheit als über deren Anlass spricht – zu den Aufgaben einer selbstreflexiven Gedenkstättenpädagogik, die es mit Wärme und Empathie ernst meint. Aber das setzt, wie viele Überlebende betonen, auch Respekt gegenüber den heutigen Jugendlichen voraus. Wie oft versuchen Überlebende ihre jugendlichen GesprächspartnerInnen in der zurückhaltenden Art, in der sie ihnen von Ravensbrück erzählen, zu schonen und zu schützen, weil sie zuweilen wissen, wie schwer es z.B. für die eigenen Kinder war, mit der Geschichte von Ravensbrück konfrontiert zu sein. Arg wäre, wenn GedenkstättenpädagogInnen selbst in bester Absicht Gefahr liefen, zu Schaustellern des Schreckens zu werden, indem sie die Geschichte der Überlebenden und Ermordeten ausbeuteten, um Nachgeborene zu erschüttern. Dies wäre auch Zeichen mangelnden Respekts vor Ermordeten und Überlebenden.
Gedenkstättenpädagogik, die versucht, sich selbst und anderen die Geschichte nahe zu bringen, Zugänge und Sensibilität zu schaffen, befindet sich in der dauernden Notwendigkeit der Reflexion, des Sich-in-Frage-Stellens. Immer wieder werden wir unsere Ansprüche an die Gedenkstättenarbeit, ihre Inhalte und Methoden, neu formulieren und verhandeln müssen. Ich bin sehr dankbar, dass ich das heute in einer Zeit tun kann, in der ein Dialog mit den Überlebenden möglich ist. Und ich schätze die Anregungen, die von anderen kommen, die sich der Geschichte ähnlich oder auch ganz anders verpflichtet fühlen – seien sie so alt wie ich oder bedeutend jünger. Auch viele Jugendliche haben mir in meiner eigenen Auseinandersetzung mit dieser Geschichte durch ihre Fragen oder Bemerkungen Impulse gegeben, die mich verunsichern, bestärken oder einfach weiter nachdenken lassen. Sich mit dieser Geschichte an diesem Ort auseinanderzusetzen, ist für mich wesentlich anders, als an anderen Orten. Manchmal denke ich: Wie verrückt, dass ein so verfluchter Ort wie Ravensbrück manchmal sein Gutes hat.
Bei Beantwortung der Frage, wie wir dort mit der Geschichte umgehen sollen, braucht es gelegentlich den Streit, immer aber den ernsthaften und einander ernst nehmenden Dialog, der das Für und Wider abwägt. In Ravensbrück bewegen wir uns immer auch auf dünnem Eis.

Matthias Heyl

(Der Artikel ist die gekürzte Fassung eines Beitrages des Autors. Matthias Heyl ist der gedenkstättenpädagogische Leiter der MGR Ravensbrück)


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Konspirative politische Arbeit im KZ: Riva Krieglová in Ravensbrück

Nicht viele tschechische Jüdinnen haben das KZ Ravensbrück überlebt. Diejenigen, die vor 1942 nach Ravensbrück eingeliefert wurden, fielen der Tötung „Aktion 14 f 13“ in der Heil- und Pflegeanstalt Bernburg zum Opfer oder wurden im Oktober 1942 mit allen Jüdinnen nach Auschwitz deportiert.

Riva Krieglová im Gespräch mit Herma Röver, Foto: Linde Apel

Viele dieser Frauen verdienten, hier porträtiert zu werden. An dieser Stelle möchte ich die Tschechin, Kommunistin und Jüdin aus Prag, Riva Krieglová, vorstellen. Sie war eine Weggefährtin des tschechischen Journalisten Julius Fučik, der nach der deutschen Besatzung untergetaucht war und später der illegalen Leitung der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei angehörte. Am 24. April 1942 wurden Riva Krieglová und er bei einer Razzia verhaftet. Im Prager Pancrac-Gefängnis schrieb er seine Erfahrungen unter dem Titel „Reportage unter dem Strang geschrieben“ nieder, die in der Nachkriegszeit im Westen wenig, im Osten dafür viel gelesen wurden. Im August 1943 wurde er in Berlin zum Tode verurteilt und am 8. September 1943 in Plötzensee hingerichtet. Während Julius Fučik in der tschechoslowakischen Nachkriegszeit quasi zum Nationalhelden avancierte und heute noch an ihn erinnert wird, zog das Schicksal seiner Genossin Riva Krieglová keine große öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Sie saß zunächst im Gestapo-Gefängnis Pancrac, später im Gefängnis am Karlsplatz ein, wurde anschließend in die Kleine Festung, dem Gefängnis der Gestapo in Theresienstadt überstellt und im Januar 1943 gemeinsam mit vielen anderen Tschechinnen aus dem Widerstand gegen die deutsche Besatzung nach Auschwitz deportiert. Die Transportliste trug das berüchtigte Kürzel „R.U.“, die Abkürzung für „Rückkehr unerwünscht“. Die Frauen waren noch vor der Ankunft in Auschwitz dem Tode ausgeliefert. Gleichwohl musste Riva Krieglová u.a. im Außenlager Rajsko Zwangsarbeit im landwirtschaftlichen Versuchsgut leisten. Als sich der tschechische Staatspräsident Emil Hácha beim Höheren SS- und Polizeiführer Karl Hermann Frank erfolgreich dafür eingesetzt hatte, nichtjüdische Tschechinnen und Tschechen aufgrund der hohen Sterblichkeit nicht mehr nach Auschwitz zu deportieren und tschechische Häftlinge in andere Konzentrationslager zu verlegen, wirkte sich dies auch auf Riva Krieglovás Haftweg aus. Im August 1943, nach acht langen Monaten in Auschwitz, wurde sie mit einer Gruppe überwiegend nichtjüdischer Tschechinnen nach Ravensbrück deportiert. Damit war sie eine der sehr wenigen Jüdinnen, die im Jahr 1943 in Ravensbrück inhaftiert waren. Überwiegend waren zu dieser Zeit „jüdische Mischlinge“ und Jüdinnen mit Staatsangehörigkeiten neutraler und mit dem deutschen Reich verbündeter Länder in Ravensbrück interniert. Riva Krieglová blieb bis zur Befreiung im Stammlager und wurde nicht in ein Außenlager transferiert. Befragt nach ihren Lebensbedingungen in Ravensbrück antwortete sie mir folgendes: „Ich weiß nicht, ob jüdische Häftlinge in Ravensbrück, gleich wie in Auschwitz, isoliert wurden. Es mag sein, dass hier solche Absonderungen existierten, aber davon weiß ich überhaupt nichts. Ich bin Jüdin, aber in Auschwitz und dann auch in Ravensbrück wurde ich nicht wie eine Jüdin, sondern wie ein politischer Häftling, ein Widerstandskämpfer von den Nazis gehalten.“ Eigentlich ist es kaum zu glauben, dass die Jüdin und Antifaschistin Riva Krieglová überlebt hat. Vielleicht stand ihr ein Schutzengel bei bzw. verfügte sie über die unerlässlichen Kontakte zu nichtjüdischen Mithäftlingen, auf die Jüdinnen in Ravensbrück dringend angewiesen waren. Sie arbeitete in einem Kommando auf der Lagerstraße, in dem jüdische und nichtjüdische Häftlingen eingesetzt waren und konnte sich dadurch im KZ in den engen Grenzen bewegen, die Häftlingen gesetzt waren. „Ich hatte den Spaten und den Besen und mit diesen ‘Waffen’ konnte ich in mehreren Blöcken arbeiten. Manchmal war es möglich, dass ich jemandem helfen und vor allem verschiedene Informationen und Verbindungen vermitteln konnte.“ Davon schrieb sie mir in einem ihrer Briefe, ohne Aufhebens um ihre konspirative Tätigkeit zu machen. Denn Riva Krieglová nutzte ihre etwas größere Bewegungsfreiheit, um im extrem reglementierten und kontrollierten Tagesablauf Informationen weiterzugeben und ihr bekannte Häftlinge zu unterstützen. Vor allem neu ins Konzentrationslager eingelieferte Häftlinge konnten nach der politischen Situation und dem Kriegsverlauf befragt werden. Diese Auskünfte wurden sofort an Vertraute weitergeleitet und aus ihnen versuchten die Frauen Hoffnung zu schöpfen für ein Leben nach der KZ-Haft. Riva Krieglová nutzte ihren Spielraum auch, um zu ihrer tschechischen Bezugsgruppe Kontakt zu halten. Sie bildete darüber hinaus das Zentrum einer kleinen Gruppe nichtjüdischer und jüdischer Genossinnen, Mitglieder der tschechischen KP, die unter ihrer Leitung heimliche kommunistische Schulungen abhielten. Die gemeinsame Weltanschauung, die Möglichkeit, zusammen zu kommen, miteinander zu diskutieren und sich zu unterstützen, war ungeheuer wichtig und gab ihren Kraft, im Gewaltsystem KZ zu bestehen. Der Hamburgerin und langjährigen Freundin von Riva, Herma Römer, ist es zu verdanken, dass die Schwerkranke am 55. Jahrestag des KZ Ravensbrück zum ersten Mal seit der Befreiung an den Ort ihrer Inhaftierung zurückkehrte. Anschließend schrieben wir uns zwar weiterhin, aber ihre Antworten wurden zusehends kürzer, und sie verbrachte immer längere Zeiten im Krankenhaus. Herma und ich hatten immer vorgehabt, sie in Prag zu besuchen. Leider ist es dazu nicht gekommen. Im April 2001 erhielt ich die Todesanzeige. Riva Krieglová ist mit 93 Jahren in Prag verstorben.


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Die Gedenkräume im Zellenbau sind eine Kostbarkeit in Ravensbrück
Tagung des Internationalen Ravensbrück-Komitees in Slowenien

Im April 2006 traf sich das Internationale Ravensbrück-Komitee (IRK) zu seiner diesjährigen Tagung in Slowenien. Eingeladen hatten die slowenischen Überlebenden des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück. An der Tagung nahmen 25 Frauen aus 13 europäischen Ländern teil. Die Älteste unter ihnen war mit 90 Jahren Neus Catala aus Spanien. Entschuldigt hatten sich die Vertreterinnen aus Italien und aus Weißrussland.

Am Nachmittag des 8. April empfingen die slowenischen Frauen ihre Gäste auf mit Kaffee und Kuchen in den Räumen des Veteranenverbandes. Hier wurden die Frauen des IRK auch von den Vertretern des slowenischen Verfolgtenverbandes begrüßt. Es folgte ein Empfang im Rathaus durch die Bürgermeisterin von Ljubljana, bevor die Mitglieder des IRK zu ihrer Tagungsstätte, dem Kurhotel Krka Zdravilisca im Termalbad Dolensjske Toplice, gebracht wurden.

Zu Beginn der Tagung informierte die Präsidentin, Frau Dr. Annette Chalut (Frankreich), in einem ausführlichen Bericht über ihre Arbeit seit der Zusammenkunft in Templin im Jahre 2005 und benannte die anstehenden Aufgaben des IRK. Im Mittelpunkt stand dabei die Unsetzung der Zielplanung Ravensbrück. In diesem Bericht wurde erneut deutlich, mit welch großem persönlichem Engagement Annette Chalut ihre Aufgabe als Präsidentin des IRK wahrnimmt.

Mit Spannung hatten die Delegierten den Redebeitrag der neuen Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück (MGR), Frau Dr. Eschebach, erwartet, die in Toblice zum ersten Mal an einer Tagung des IRK teilnahm. Dr. Eschebach gab einen Überblick über die Aktivitäten in der MGR und legte ihre Vorstellungen zu der zukünftigen Entwicklung der Gedenkstätte dar. In der anschließenden Diskussion zeigte es sich, dass es eine ganze Reihe gemeinsamer Zielvorstellungen gibt. Man war sich darin einig, dass die Gedenkräume im Zellenbau in Ravensbrück eine Kostbarkeit sind, die erhalten werden müssen. Seitens des IRK wurde in diesem Zusammenhang erneut die Zuteilung der beantragten drei neuen Gedenkräume eingefordert. Hinsichtlich der Einrichtung einer Häftlingsbaracke als Museum verwies Frau Dr. Eschebach auf den vorhandenen Rest einer Baracke im südlichen Teil des Frauenlagers, deren Nutzung zu prüfen ist. Diskutiert wurde außerdem der historische Zugang zum Siemenslager, der von der Seite des Sees her wieder geöffnet werden soll. Einigkeit herrschte auch darüber, dass für die Umsetzung der Zielplanung in einer absehbaren Zeitspanne die vorhandenen Haushaltsmittel nicht ausreichend sind. Für Ravensbrück müssen dringend Sonderinvestitionsmittel beantragt werden, die auch für andere KZ-Gedenkstätten bereitgestellt wurden. Alle Anwesenden waren zuversichtlich, dass die bisherige gute Zusammenarbeit zwischen dem IRK und der MGR fortgesetzt wird.

Mehrere Mitglieder des IRK können aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr an den Tagungen teilnehmen und haben dies gegenüber der Präsidentin auch zum Ausdruck gebracht. Auf Vorschlag von Annette Chalut ernannte die Versammlung diese Frauen zu Ehrenmitgliedern des Komitees. Es sind Mariette Druart (Belgien), Kato Guylai (Ungarn), Gertrud Müller (Deutschland), Madeleine Rabitschov und Lucienne Rolland (beide Frankreich).

Es ist erfreulich, dass es dem IRK bisher gelungen ist, diejenigen, die nicht mehr reisen können, durch jüngere Frauen zu ersetzen, die die Arbeit weiterführen. An der Tagung in Toblice nahmen 10 Frauen teil, die selbst nicht in Ravensbrück inhaftiert waren, unter ihnen 8, deren Mütter nach Ravensbrück verschleppt wurden.

In den Berichten der Delegierten aus den einzelnen Ländern wurde diese Entwicklung ebenfalls thematisiert. Es gibt immer weniger Überlebende von Ravensbrück, die in den Organisationen noch aktiv sein können. Teilweise führte das bereits zur Auflösung traditionellen Opferverbände. Zugleich wurden aber auch neue Organisationsformen gefunden bzw. werden diskutiert, um Angehörige jüngerer Generationen einzubinden, die das Erbe der KZ-Häftlinge fortführen. In Spanien ist es auf Initiative von Neus Catala gelungen, 60 Jahre nach der Befreiung erstmals eine „Amical de Ravensbrück“ zu gründen.

Die Länderberichte zeigten erneut, dass die Überlebenden als Zeitzeuginnen nach wie vor sehr gefragt sind: zum einen als Gesprächspartnerinnen in Schulen oder bei öffentlichen Veranstaltungen, zum anderen mit ihren Lebenserinnerungen bei der Erforschung der Geschichte und zur Vermittlung der Geschichte in Publikationen.

Aus einer Reihe von Berichten war die große Hochachtung zu erkennen, die in den verschiedensten Ländern sowohl seitens der Bevölkerung, als auch von offizieller Seite den ehemaligen Häftlingen entgegengebracht wird. Dies zeigt sich nicht nur daran, dass höchste Repräsentanten des Staates gemeinsam mit ihnen an Gedenkfeiern teilnehmen, sondern auch an der Benennung von Straßen, der Errichtung von Mahnmalen oder von Ehrungen, die Überlebenden zuteil werden. Nach dem 60. Jahrestag der Befreiung wurde Neus Catala mit der höchsten Auszeichnung von Catalonien, dem St.-Georgs-Kreuz, geehrt und Ludmilla Muratowa (Russische Föderation) mit einer Ehrenmedaille durch Präsident Putin ausgezeichnet.

Im Rahmen der Tagung gab es mehrere Fahrten zu Stätten des slowenischen Widerstandes. Auf dem Programm standen u. a. ein Besuch des Mahnmals für die gefallenen Partisanen und Geiseln der Krajina mit ehrendem Gedenken und Kranzniederlegung sowie eine Fahrt nach Dobrnic, einer kleinen Gemeinde, in der noch während des Krieges 1943 der erste antifaschistische Frauenkongress für ganz Slowenien stattfand. Sehr beeindruckt waren die Mitglieder des IRK vom Besuch in Kocevski Rog, einem nationalen Kulturdenkmal. Hier unterhielt die Slowenische Volksbefreiungs-Bewegung während der Okkupation im 2. Weltkrieg in schwer zugänglichem Gebiet versteckte Krankenhäuser für die Opfer des Partisanenkampfes.

Die Hochachtung gegenüber den Widerstandskämpfern und Verfolgten war auch in Slowenien in vielfältiger Weise zu spüren. Neben dem Empfang durch die Bürgermeisterin von Ljubljana gab es einen Empfang durch den Bürgermeister der Stadt Novo Mesto. In Dobrnic, wo das IRK ebenfalls vom Bürgermeister begrüßt wurde, gestalteten die Schulkinder des Ortes ein an Herzlichkeit kaum zu überbietendes kleines Kulturprogramm mit Liedern und Tänzen. Am letzten Abend im Hotel in Toblice gab es ebenfalls eine Veranstaltung in Anwesenheit des Bürgermeisters mit Rezitationen von Schülerinnen und Gesangsdarbietungen des Chors der Hotelangestellten. Den Abschluss der Tagung bildete am 12. April ein Empfang des IRK durch den Präsidenten des slowenischen Parlaments in Ljubljana.

Ein herzliches Dankeschön den slowenischen Mitgliedern des IRK, Marija Suklje und Mihela Strojan, die die Tagung organisiert haben! Die Zusammenkunft in Slowenien wird gewiss allen Teilnehmerinnen in sehr guter Erinnerung bleiben.
R.V.-J.




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Antifasplitter
Bundestag beschäftigt sich mit Abschaffung des NS-Erbgesundheitsgesetzes

Der Bundestag beschäftigt sich mit der Annullierung des nationalsozialistischen „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat das Anliegen des Bundes der "Euthanasie"-Geschädigten und Zwangssterilisierten in einen Antrag (16/1171) aufgenommen, das erste Rassengesetz des NS-Staates vom 14. Juli 1933 nach mehr als 70 Jahren für nichtig zu erklären. In diesem wird die Bundesregierung zu einem Vorschlag aufgefordert, der diesem Anliegen der Opfer gerecht wird. Das Parlament muss darüber nun entscheiden.
In ihrem Antrag nehmen die Grünen ausdrücklich Bezug auf einen Appell des Bundes der „Euthanasie“-Geschädigten und Zwangssterilisierten. Sie vertreten die Auffassung, dass die Gesellschaft "in der Pflicht“ sei, „die Opfer von Zwangssterilisierung und ‚Euthanasie' vollständig zu rehabilitieren, die Überlebenden nach Kräften zu unterstützen und die Erinnerung an das Unrecht wach zu halten".
Auf Grundlage des "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" wurden bis Mai 1945 mindestens 400.000 Menschen zwangssterilisiert; an den Folgen des Eingriffs starben mehrere tausend Menschen, mehrheitlich Frauen. "Das Erbgesundheitsgesetz bildete den Auftakt für die Verfolgung behinderter Menschen, die im Massenmord der so genannten Euthanasie gipfelte", erinnern die Grünen. Sie verweisen darauf, dass die formelle Gültigkeit des Gesetzes 1974 aufgehoben wurde. 1988 habe der Bundestag das Gesetz zu nationalsozialistischem Unrecht erklärt. Im August 1998 seien die Sterilisationsbeschlüsse aufgehoben worden. Angesichts des "ungeheuren Unrechtsgehaltes des Erbgesundheitsgesetzes" dürfe der Bundestag "aber nicht den geringsten Zweifel offen lassen, dass dieses Gesetz von Anfang an als nichtig angesehen werden muss", heißt es in dem Antrag.
mp

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Tagung am 29. und 30. September 2006 in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

„Das Jugendschutzlager Uckermark – ein wiederentdeckter Ort.
Eine Bestandsaufnahme aktueller Forschung und Debatten“
Kooperationsveranstaltung der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung, Potsdam und der Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freundeskreis e.V.

Zusammenfassung des vorläufigen Programms

Fr, 29.09.06, 10 Uhr
Vorstellung der anwesenden Überlebenden
H. Rode: „Zwei Tage in Ravensbrück-Uckermark“ (Maria Potrzeba)
Dr. C. Schikorra, Berlin: Aktuelle Forschungen zu den nationalsozialistischen Jugend-Konzentrationslagern
Dr. H. Schmidt: Die Anfänge der Fürsorgeerziehung

Nachmittags:
Begehung des ehemaligen Lagergeländes Uckermark
R. Fritz: Die Geschichtsschreibung zum Jugend-KZ Moringen
K. Limbächer: Fürsorgerinnen als Aufseherinnen in Uckermark
Dr. S. Kavcic: Sloweninnen in Uckermark
Dr. S. Erpel: Das Vernichtungslager Uckermark 1945


30.9.06, Beginn: 9:30 Uhr
Einführung Dr. Insa Eschebach: Erinnerungskultur am Ort
Dr. U. Krause-Schmitt: Die LGRF und Uckermark
M. Guse: Geschichte der ersten Ausstellung zu den Jugend-KZ
A. Behrendt: Filmprojekt Uckermark, Film und Diskussion

Nachmittags:
S. Rößler u. C. Rotmund: Geschichte der Baucamps
A. Meyer, und M. Antkowiak: Grabungen in Uckermark; KZ-Archäologie - Funktion und Perspektiven
Dr. M. Heyl: Uckermark und die Gedenkstättenpädagogik Ravensbrück

Diskussionsforum: Perspektiven des Ortes, des Gedenkens und der Pädagogik
Podiumsgespräch mit Zeitzeuginnen, Dr. Eschebach, Dr. Heyl, R. Vadehra-Jonas, Vertreterin der Baucamp-Uckermark-Frauen. Moderation und Tagungskommentar: Dr. M. Weyrauch



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Internationale Tagung der Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freundeskreis e.V. vom 30. 09. bis 03. 10. 06 in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
„Kinder von KZ-Häftlingen – eine vergessene Generation“

Zusammenfassung des vorläufigen Programms

Samstag 30.9., Anreise, 20 Uhr: Begrüßung

Sonntag 01. 10., Beginn: 9 Uhr
Vormittags: Nachbereitung der vorangegangenen Tagung „Jugendschutzlager Uckermark“
Nachmittags: Einführung mit Ingelore Prochnow: „Kinder von Verfolgten – vergessene Generation“
Video: „Die Akte meiner Mutter“, Austausch zum Film mit Angelika Meyer
„Hidden Children – Ihr Leben nach dem Holocaust“, Referat von Dr. Eva Bäckerova, Slowakei, ehem. Kinderhäftling in Ravensbrück
„Verfolgung und Inhaftierung der Mutter – Wahrnehmung durch die zweite Generation“
Gesprächsrunde mit Kindern ehemaliger Ravensbrück-Häftlinge aus verschiedenen Ländern
- Kinder, die die Verfolgung und Inhaftierung ihrer Angehörigen bewusst miterlebten
- Kinder, die zusammen mit ihren Müttern nach Ravensbrück gebracht wurden
- Kinder, die nach 1945 zur Welt kamen
Moderation: Dr. Ursula Krause-Schmitt

Abendessen, danach gemütliches Beisammensein

Montag 02. 10., Beginn: 9 Uhr
Vormittags: „Gesundheitsschäden und Spätfolgen durch die KZ-Haft“, Referat von Rosel Vadehra-Jonas, Vorsitzende LGRF, Tochter einer Ravensbrück-Überlebenden
„Spätfolgen bei Kindern ehemaliger KZ-Häftlinge“, Vortrag von Elisabeth Brain, Psychologin, Österreich, Tochter einer Ravensbrück-Überlebenden

Nachmittags: Gesprächskreise mit Moderatorinnen

Abendessen, danach gemütliches Beisammensein

Dienstag 03. 10.
Vormittags: Welche Impulse, Empfehlungen und Aufgaben sind entstanden aus der Tagung? (Diskussion im Plenum)

Stilles Gedenken am Schwedtsee

Abreise nach dem Mittagessen